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Gründung eines Musiklabels: 10 Empfehlungen für den Schweizer Markt – Teil 1


Über diesen Blog

Was sind die Dos und Don’ts innerhalb der Schweizer Musikbranche? Ob für Neueinsteigende oder daran interessierte: Mit diesem Blog schafft IFPI Schweiz Klarheit, gibt Rat und hilft, das Schweizer Musikschaffen besser zu verstehen. Weil gute Musik einen professionellen Umgang mit ihr verdient.

23.11.2021 – mSie wollen in der Schweiz ein Musiklabel gründen und wissen nicht wo beginnen? Wir helfen Ihnen dabei. Dabei werden wir Ihnen nicht erklären, welche Artists Sie unter Vertrag nehmen sollen oder welcher Musikstil zurzeit den garantierten Erfolg verspricht. In diesem Bereich besitzen Sie mit Sicherheit das grössere Expertenwissen. Vielmehr helfen wir Ihnen mit zehn Empfehlungen die Grundlagen des Schweizer Musikgeschäfts zu verstehen, sodass Sie ein nachhaltiges Fundament für Ihr Musiklabel legen können.


Empfehlung 1: Wie gründe ich ein Musiklabel?


Die gute Nachricht zuerst: Sie haben wahrscheinlich bereits ein Musiklabel gegründet. Dieses entsteht im Moment, in welchem Sie alleine oder mit weiteren Partnern und Partnerinnen die kaufmännische Leitung und das wirtschaftliche Risiko für die Produktion einer Aufnahme übernehmen (direkt oder per Vertrag).


Das klingt sehr technisch, bedeutet aber nur, dass Sie nicht zwingend ein Unternehmen gründen müssen, um ein Musiklabel Ihr Eigen zu nennen. Es genügt, dass Sie die Kosten für die Aufnahme und/oder die Herstellung eines Tonträgers auf eigenes Risiko übernehmen.

Die schlechte Nachricht ist: Die Konkurrenz ist gross, denn alle anderen können eben so leicht ein Musiklabel gründen. Der Begriff «Musiklabel» ist nicht geschützt und kann frei verwendet werden. Entsprechend gibt es auf der Welt wohl Tausende Musiklabels, welche sich zwar als solche definieren, aber nicht wie solche handeln.


Oder anders formuliert: Ihr Musiklabel ist, was Sie aus Ihrem Musiklabel machen. Simple as that.


Empfehlung 2: Nehmen Sie das Geschäft ernst


Vielleicht haben Sie Ihr Musiklabel gegründet, um Ihre eigene Musik als Artist oder die Musik Ihrer Freunde und Freundinnen gross rauszubringen. Das klappt aber nur, wenn Sie sich den Hut des Labelchefs oder -chefin ernsthaft aufsetzen!


In Ihrer Rolle als Labelgründer oder -gründerin sind Sie in erster Linie Dienstleister und Unternehmerin. Um also mit einem Musiklabel nachhaltig Erfolg zu haben, empfehlen wir Ihnen, dieses nach unternehmerischen Kriterien zu führen. Erstellen Sie einen Businessplan, schaffen Sie Strukturen, in welchen Sie effizient arbeiten können und seien Sie eine zuverlässige Geschäftspartnerin. Niemand wartet auf Sie, dieses Privileg müssen Sie sich erst erarbeiten.


Weitere Tipps zur Unternehmensgründung bietet beispielsweise das Startzentrum in Zürich: hier.


Empfehlung 3: Seien Sie frisch und unverwechselbar


Als Unternehmen wollen Sie aus der Masse herausstechen. Überlegen Sie sich einen frischen und unverwechselbaren Namen für Ihr Musiklabel. Dieser sollte sich deutlich vom Namen bereits bestehender Unternehmen unterscheiden. Ansonsten laufen Sie in Gefahr, Ihr Label später umbenennen zu müssen. Und das, nachdem es gerade Fahrt aufgenommen und an Bekanntheit gewonnen hatte!


Wir empfehlen deshalb verschiedene Quellen zu prüfen:


Empfehlung 4: Schützen Sie Ihren Namen


Eine Markenanmeldung ist wohl nicht der erste Arbeitsschritt in Ihrer Labeltätigkeit, aber Sie sollten damit nicht lange zuwarten. Die wenigsten grossen Labels und Artists wussten gleich von Beginn weg, dass sie erfolgreich sein würden. Im Nachhinein um Markenrechte zu kämpfen, kommt aber teurer, als sie sich vorab zu sichern.


Um eine spätere Verwechselbarkeit zu vermeiden, sollten Sie den Namen Ihres Musiklabels als Wortmarke und ein allfälliges Logo als Bildmarke schützen zu lassen. Beides gemeinsam lässt sich auch als Wort-/Bildmarke schützen, sofern Name und Logo in Kombination verwendet werden. Der markenrechtliche Schutz kann beim IGE beantragt werden.


Wichtig ist, dass Sie den Schutz für die passenden Waren- und Dienstleistungsklassen beantragen, was mitunter sehr schwierig ist. Um Fehler zu vermeiden, können Sie entweder sich über die Suchfunktion vom Markenschutz bestehender erfolgreicher Musiklabels inspirieren lassen oder eine Markenberaterin beiziehen: Datenbank des IGE.


Empfehlung 5: Rechtsform mit Bedacht wählen


Wie in Empfehlung 1 erwähnt, benötigt ein Musiklabel nicht zwingend eine Rechtsform. Ob Sie Ihr Label also als Einzelunternehmen, GmbH, Aktiengesellschaft oder in anderer Form führen, hängt für Sie hauptsächlich von zwei Überlegungen ab: (1) Wieviel Kapital wollen Sie investieren und (2) wieviel finanzielles Risiko wollen Sie auf sich nehmen, beziehungsweise wieviel Haftung übernehmen. Eine gute Übersicht zu diesen Fragen und den gängigen Rechtsformen für Schweizer finden Sie auf der KMU-Website des Bundes.


Das sind die ersten fünf Empfehlungen zur Gründung eines Musiklabels im Schweizer Markt. Nächste Woche folgen weitere fünf Empfehlungen: Unter anderem werden Themen besprochen wie Metadaten, Verwertungsgesellschaften und wie ein Song ins Radio gelangt.


Alle weiteren Artikel in diesem Blog finden Sie auf unserer Unterseite «How to Swiss Music Biz».

Text: Marco Büsch

Bild: Simon Boxus | unsplash.com